WELTERBE-NATURPARK » Der Kulturraum » Kulturelle Zeitgeschichte
Bewegte Geschichte
Die Geschichte der Kulturlandschaft der Region lässt sich grob in zwei Abschnitte teilen: den langen Zeitraum von der frühesten menschlichen Besiedelung bis zur Gründung des ungarischen Staates im 11. Jh. und die Periode vom 11. Jh. bis heute. Die ältesten archäologisch nachweisbaren Siedlungsspuren stammen aus dem 6. Jahrtausend v. Chr. Am Südufer des Sees befand sich eine Reihe jungsteinzeitlicher Siedlungen, die mit den benachbarten Gebieten Handel trieben und in kultureller Verbindung standen, was an der Formgebung und Ornamentik ihrer bemalten Keramik ablesbar ist. Funde ab dem frühen 4. Jahrtausend sind der Balaton-Lasinja-Gruppe zuzurechnen, die bereits Kupfer verarbeitete. Reste der kupferzeitlichen Badener Kultur wurden in der Nähe von Fertörákos und Sopronkohida gefunden. Das Gebiet war bis zum Ende der Kupferzeit um 2000 v. Chr. bewohnt, was durch Überreste einer Schmiede belegt wird.

In der Bronzezeit erfuhr die Region eine erste Hochblüte durch den sie durchquerenden Handelsweg, der Bernsteinstraße, die von der Ostsee bis zur Adria führte. Um 433-434 überließ das Weströmische Reich die Provinz Pannonien dem Nomadenvolk der Hunnen. Die Hunnen und ihre germanischen Verbündeten besetzten die Provinz und drangen bis zum Alpenraum vor. Innerhalb des seit dem 11. Jh. bestehenden Systems der Reichsverwaltung wurde Sopron und Mosonmagyarovar Sitz der Verwaltung.

Im 13. Jh. begann die Zuwanderung deutschsprachiger Siedler, die sich das ganze Mittelalter hindurch fortsetzen sollte. Von der Tartareninvasion, die 1241-42 fast das ganze Lande verwüstete, blieb die Region verschont, und so mussten die Siedlungen hier nicht von Grund auf neu errichtet werden. Die Region erfreute sich das ganze Mittelalter hindurch einer Phase ungebrochener Entwicklung, die erst mit den Türkenkriegen zu Ende ging. Als die Türken 1529 Wien belagerten, wurde auch die Region verwüstet. Vier Jahre türkischer Okkupation brachten erneute Zerstörungen.

Die bedeutendste Bauphase, die in weiterer Folge das Bild der Siedlungen prägen sollte, war das 18. Jahrhundert. Nach den Türkenkriegen, der Reformation und Gegenreformation und dem (von Rákóczi angeführten) ungarischen Unabhängigkeitskrieg setzte ein wirtschaftlicher Aufschwung ein, der nicht nur in der Aristokratie zu intensiver Bautätigkeit führte, sondern auch in den prunkvollen Fassaden der Ackerbürgerhäuser zum Ausdruck kam.

Nach dem 1. Weltkrieg wurde die Region durch die zwischen Österreich und Ungarn gezogene Staatsgrenze geteilt. Zur echten Isolation kam es dann nach dem 2. Weltkrieg, als das kommunistische Regime den "Eisernen Vorhang" errichtete. Fertorákos und St. Margarethen sollten schließlich die Orte werden, wo beim "Paneuropäischen Picknick" 1989 der Stacheldraht durchschnitten und die Grenze wieder geöffnet wurde.


Die Bernsteinstrasse
Bernstein ist ein fossiles Kiefernharz aus dem Tertiär (ca. 35 - 50 Mio. Jahre vor heute), ist durchscheinend honiggelb bis rotbraun, und brennt mit heller Flamme und angenehmen Geruch. Bernstein wird als Schmuck (Anhänger, Perlenkette, etc.) seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. verwendet. Im frühkaiserzeitlichen Rom war Bernstein ein sehr beliebter, teurer Modeschmuck, wurde aber auch für die Heilkunst und Magie (Amulette) sowie als Räucherwerk verwendet.

Die Bernsteinstrasse verbindet die Ostsee mit der Adria. Eine der Routen berührt das Burgenland und führt durch den Naturpark. Sie ist von der Bronzezeit über die Eisenzeit bis in die Römerzeit belegt. Nach der Überquerung der Donau bei Carnuntum wurde das Leithagebirge südlich von Bruck in einer Senke zwischen dem Zeilerberg und dem Königsberg passiert. In Breitenbrunn liegt die römische Straßentrasse unter der modernen Hauptstrasse und führt schnurgerade durch den Ort, am "Türkenturm" vorbei, nach Prubach. Dort durchquert sie den mittelalterlichen Ortskern (im Ratshaus historischer Schauraum mit Römerfunden) und verläuft, als dammartige Aufwölbung in Weingärten und Äckern noch gut zu erkennen, entlang des Neusiedler Sees östlich an Donnerkirchen vorbei nach Schützen am Gebirge, wo die Wulka überbrückt wird.

Im Burgenländischen Landesmuseum in Eisenstadt befinden sich zahlreiche Objekte, die Handels- und Kulturkontakte entlang der Bernsteinstrasse verdeutlichen.